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Sunday, December 4th 2022, 12:25am

2. Advent – Diese Lok braucht Diesel

Moin, Jungs,

Beim Bau der Tankstelle griff ich auf einen Bericht über Dieseltankstellen, insbesondere über die Tankstelle in Ansbach, in den Miba Heften 12, 13 und 14 aus dem Jahr 1967 zurück. Die allgemeinen Angaben und insbesondere die Bilder halfen mir bei der Planung und Gestaltung.

Zunächst einmal brauchte ich einen Tank. Auf der Suche nach passendem Material entdeckte ich im Einkaufszentrum eine Aufbewahrungsdose für Kaffee Pads mit einem abgerundeten Deckel. Ich kaufte davon zwei, zersägte sie in der Mitte, klebte die beiden Teile mit den Deckeln an den Enden zusammen, verspachtelte die Fugen und lackierte sie mit grauer Grundierungsfarbe aus der Sprühdose.

Die Blechwanne, in die der Tank gehörte, fertigte ich aus Polystyrol. Die Bodenplatte war einen Millimeter dick, die Seitenwände 0,5 mm. Die obere Umrandung zur Verstärkung entstand aus 2,5 x 2,5 mm Winkelprofil.

Das Pumpenhaus entstand wie üblich aus PVC Hartschaumplatte (Bild 1).

Bevor der Tank in die Blechwanne geklebt wurde, wurden beide Teile bereits verschmutzt. Da das ganze Ensemble ja noch recht neu in Wilhelmshaven war, wurden nur übliche Schmutzspuren angebracht (Bild 2).

Unter die Wanne kam ein Fundament, ebenfalls aus Hartschaumplatte, dann ging es mit der Detaillierung weiter. Aus früheren Zeiten hatte ich noch eine Leiter, die ich aus Blumensteckdraht zusammengelötet hatte.

Nachdem ich das gute Stück gekürzt und gebogen hatte, passte es wunderbar als Aufstieg zur Gitterplattform oben auf dem Tank, welche aus Messinggitter und Polystyrol entstanden war.

Den Tankverschluss nahm ich von einem 3D-Druck Testwasserkran, das Entlüftungsventil war ein H0 Waggonteil.

Die Rohrverbindung zwischen Tank und Pumpenhaus entstand aus übrig gebliebenen Spritzlingen von Plastikbausätzen (Bild 3).

Die Tür und der Kasten für die Feuerlöscheinrichtungen entstanden aus Polystyrol.

Die weißen Schilder mit dem F drauf fertigte ich aus Messingplättchen von Weinert, die eigentlich für Verkehrsschilder in H0 gedacht waren. Die Buchstaben waren zum Anreiben und wurden abschließend mit matten Klarlack geschützt.

Die Warnschilder entstanden am PC.

Das Dach entstand aus Aluminium Wellblech von Schulcz, die Regenrinne aus einem Stück Regenschirm und das Fallrohr aus Polystyrol (Bild 4 und 5).

An der Rückseite des Pumpenhauses installierte ich noch ein Rohr, welches aus der Wand herausragte. Hier konnte ein Schlauch angeschlossen werden (Bild 6), der zu einem zu entleerenden Kesselwagen führen sollte, um für Nachschub im Tank - beziehungsweise für entsprechende Rangierfahrten - zu sorgen. Bei der Ermittlung, wie oft so ein Kesselwagen wohl nach Wilhelmshaven kommen würde, hatte ich folgendes zu Grunde gelegt:

Wenn die V60 über den Tag verteilt in Wilhelmshaven cirka fünf Stunden rangiert, davon eine Stunde Leerlauf (bei 600 min-1 etwa 9 l/h), drei Stunden Teillast (bei 1100 min-1 etwa 48 l/h, mal drei ergibt 144 l) und eine Stunde Volllast (bei 1400 min-1 etwa 105 l/h), dann wären dass 258 l pro Werktag oder 1548 l pro Woche.

Der Tank fasst etwa 300 hl Diesel, also würde der Inhalt für 19 Wochen reichen. Natürlich wartet die Bahn nicht, bis der Tank ganz leer ist, sondern verfügt, das alle zwei Monate ein Dienstkesselwagen im Umlauf zu kommen hat, also an jedem Fahrtag :D .

Der Schlauchanschluss war natürlich nur für Fotozwecke vorgesehen, eine weitere Detaillierung, wie zum Beispiel an Ketten herabhängende Verschlüsse bei Anschluss des Schlauches, unterblieb. Der Schlauch hatte am Ende ein Stück Blumensteckdraht, welcher in ein Loch im Rohr, welches ebenfalls durch ein entfernbares Stück Blumensteckdraht verschlossen war, eingesteckt werden konnte – mehr nicht.

Weiter ging es mit der Tanksäule und weiteren für die Versorgung der Dieselfahrzeuge nötigen Utensilien.

Die Säule wurde aus Polystyrol erstellt. Meistens waren diese Tanksäulen rot gewesen, manchmal auch grau. Ich wählte die graue Variante. Dafür erhielt die Zapfsäule am oberen Ende eine Zierleiste, die ich aus silberfarbenem Wellkarton schnitt, praktisch die Vertiefung zwischen zwei Wellen. Die Tür konnte geöffnet werden (Bild 7).

Die Zapfpistole wurde von Sven gedruckt, für den Schlauch verwendete ich einen Kautschukfaden mit 1,9 mm Durchmesser.

Die Beschilderung entstand wieder am PC.

Für den Dofa-Ofen meiner V60 waren etwa 150 kg Koks nötig, daher wurde aus Holz ein kleiner Koksbansen erstellt und Koks dort eingelagert. Bild 8 zeigt diesen Bansen ebenso wie den zum Auffüllen von Kühlwasser installierten Wasserhahn von Woytnik, der ebenfalls einen angesteckten Kautschukschlauch erhielt, allerdings nur mit 1,2 mm Durchmesser.

Zur Lagerung des Schlauchs wurde eine Halterung aus Polystyrol gebaut. Auch ein Hydrant und eine Ölkanne wurden auf dem Fundament platziert. Am linken Bildrand sind die Kautschukbänder mit verschiedenen Durchmessern zu sehen.

Bild 9 zeigt eine Übersicht über die aufgestellten Versorgungseinrichtungen. Hinter der Bekohlung der Schuppen für die hier beschäftigten Arbeiter, die vermutlich Kohlenlader, Ausschlacker, Drehscheibenwärter und Tankwart in einer Person waren. Und zuständig für die Trocknung des angelieferten Naßsandes und Lagerung beziehungsweise Auffüllung des Sandbedarfs bei den Loks. Der Sandvorrat für eine V60 bei 90% Befüllung betrug immerhin 270 kg.

Meine V60 hat zwar unter dem Umlauf Anschlüsse für eine Druckbetankung, aber meine Zapfsäule nur einen Zapfpistole (damit auch mal eine Köf betankt werden kann).

Da wurde das Betanken für den Lokführer zur Schwerstarbeit. Als erstes musste der Tankdeckel oben auf dem hinteren Vorbau geöffnet werden. Anschließend musste die Zapfpistole und der Schlauch auf den Vorbau hinaufgeschleppt werden, was bei einer großen Zapfpistole schon ein Gewaltakt war. Dabei muss man bedenken, das der Lokführer mit einem Fuß auf den Tritt am Führerhaus steigen musste, sich dabei mit einer Hand am Haltegriff festhielt und mit der anderen Hand die Zapfpistole samt schweren Schlauch daran nach oben in den Tankstutzen einhängen musste – wobei die Zapfpistole umgekehrt in den Stutzen eingehängt wurde, so dass das Gewicht des Schlauches die Pistole im Tankstutzen verklemmte. Dann wurde die Pistole geöffnet und mit dem Feststeller arretiert.

An dieser Stelle möchte ich mich bei unserem Triebfahrzeugbewegungskünstler im Ruhestand Wolfgang „Ospizio“ F. herzlich bedanken, der mir den o. a. Ablauf - und noch einige andere interessante Geschichten rund ums Betanken – schilderte.

Bei einer so kleinen Zapfpistole mit vielleicht 30 Litern Durchlauf pro Minute hatte der Lokführer nun erstmal genug Zeit, um in Ruhe einen Kaffee zu trinken.

Da bei meinem Modell die Zapfpistole in die Halterung nur eingehängt und auch der Schlauch nur in die Säule eingesteckt ist, konnte ich für Fotozwecke dieses Ensemble gegen einen anderen Schlauch tauschen, der zum zu betankenden Triebfahrzeug führte. Da ich aber keine Figur nach der obigen Beschreibung kreieren konnte, erhielt mein betankender Bundesbahnangehöriger einen komfortablen Tritt, auf den er sich stellen konnte. Die Figur entstand aus einem Figurenbausatz von MiniArt (Bild 10).

Unter dem Tritt rechts ist der Anschluss für die Druckbetankung zu erkennen, außerdem hat die Lok noch das falsche Fabrikschild (MaK), das neue Schild (Krupp) ist in Auftrag gegeben.

Die letzten beiden Bilder 11 und 12 zeigen einen angelieferten Kesselwagen, der über den angeflanschten Schlauch durchs Pumpenhaus seinen Inhalt in den Tank abgibt.

Soviel für heute, nächsten Sonntag gibt es wieder was zu lesen.

Gruß

Der Michel
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2

Sunday, December 4th 2022, 8:28am

Moin Michel,

klasse Berichte vom 1. und 2. Advent, da freue ich mich schon auf den 3. und 4., genial wie immer.

Gruß Alex

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Sunday, December 4th 2022, 10:51am

Hallo Michael,
sehr gut gelungen!
Kleine Frage am Rande, wie erreichst Du die rauhe Oberfläche des Bodens?
Nimmst Du Strukturpaste oder Vogelsand oder...
Viele Grüße
Klaus
Klaus Lübbe
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4

Sunday, December 4th 2022, 12:30pm

Hallo Michael,

mal wieder sehr schön gebaut,
allerdings, DB-Zapfsäulen kenn ich eigentlich nur in Rot (RAL 3004).


Bild: Eisenbahnstiftung
Gruß aus
Michael

Gerald

Gerald

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Sunday, December 4th 2022, 1:33pm

Erneut ein toller Baubericht - Danke dafür.
Toll finde ich auch immer dein Ansinnen, möglichst Gegenstände/Materialien aus dem Alltag zu verwenden oder gar "Abfälle" zu nutzen.

Bemerkenswert ist, dass sich solche Bahntanken bis heute kaum verändert haben. Die Anzeigen der Zapfenlage sind nicht mehr analog, aber das war es.

Was Du noch ergänzen kannst, ist ein Fass oder eine Box mit Streugut/Sand für den Schwaps daneben, sowie ein gewöhnlicher Abfalleimer.
Während des Tankvorgangs (der meist ob der grossen Menge etliche Minuten dauert) geht man schon mal mit dem Läppchen an die Lok und wischt Anzeigen, Schaugläser, etc. sauber. Die Tücher und Lappen, welche in der Bude oder auch einem Spinnt ausserhalb vorgehalten werden, müssen dann ja auch irgendwo entsorgt werden.

Würde gerne mal bei Euch tanken kommen.
Liebe Grüsse,
gerald ehrlich

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6

Monday, December 5th 2022, 12:00pm

Moin

@ Klaus: Ich verwende dazu feinen Split aus dem Basaltwerk um die Ecke, den ich in die frisch aufgetragene graue Farbe mit einem alten Teesieb einstreue.

@ Michael: Ja, ich weiß, die graue Farbe war eher selten bzw. wurde später gar nicht mehr verwandt. Mein Motto ist ja Weniger ist Mehr - noch Weniger ist noch Mehr, deshalb habe ich die graue Farbe genommen, wenns rot wäre, würde es m. E. zu viel Aufmerksamkeit wecken. Anbei mal ein Bild mit gefakter Farbe.

@ Gerald: Ich habe für die Öllappen ein altes Fass neben das Pumpenhaus gestellt, sieht man auf Bild 10 unten rechts und auf Bild 11. Daneben steht auch noch ein Eimer mit Schaufel mit Sand/Bindemittel für die Kleckereien, ist aber nicht zu sehen auf den Bildern.

Gruß

Der Michel
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7

Monday, December 5th 2022, 7:52pm

Tankstelle

Hallo Michel,
Wieder eine grandiose Leistung von Dir.Nicht nur das Bauen,sondern auch das Dokumentieren.
Ich hatte ja schon einmal die Ehre in Deinem Bahnhof Wilhelmshafen einen ganzen Tag mit der 260 rangieren zu dürfen.Damals war der Bahnhof Gebäudemassig noch nicht ganz fertig.
Ich freue mich,wenn Du mal wieder einen Fahrtag machst und ich Zeit habe zu kommen.Dann natürlich auch mit einer Tankpause für die 260 auch wenn die Zapfsäule grau ist.
@ Michael Staiger:
Bei Michels Tankstelle war wohl ein übereifriger Unterhaltungsschlosser am Werk.Da er noch etwas Farbevom Streichen des Kraftstofftankes übrig hatte,lies er die stark verwitterte rot Zapfsäule in neuem

Grau erstrahlen.(War wohl ein sparsamer Württemberger,ob er aus der Reutlinger Gegend kam ist nicht bekannt :P :P :P )
Gruss Wolfgang

8

Monday, December 5th 2022, 10:43pm

Danke Michel, wieder einmal ganz großes Kino - vor allem für einen Anfänger

Grüße aus Österreich die GySEV

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9

Monday, December 5th 2022, 10:49pm

Tankstelle Ansbach

Moin,

auf Bild 48 in diesem DSO-Beitrag sieht man, dass die Zapfsäulen 1964 rot waren. Am rechten Bildrand ist ein ganz kleines Stück der Tankanlage zu sehen.

Gruß

Der Michel

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10

Monday, December 5th 2022, 10:56pm

Hallo Michael,

Danke für den Link, sehr sehenswerte Bilder
beim runterscrollen findet sich noch eine V60 mit blanken Radreifen - die ist bestimmt von Märklin ;-)
Gruß aus
Michael

11

Tuesday, December 6th 2022, 12:04am

Hallo Michael S.,

dass die V60 so schöne, rote Radreifen wie eine Dampflok bis zu den Schienen hat, kenne ich eigentlich auch nicht.
Michael meint wohl dieses Bild:

Auch in Hemer gab es eine V60:
Aber wirklich rot waren auch hier die Radreifen nicht. Oder sind die einfach immer nur schmutzig?

Nachdenkliche Grüße

Wolli

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12

Saturday, December 10th 2022, 3:29pm

Hallo Michel,

gefällt mir wieder sehr gut, was du gebaut hast. Bin gespannt, ob ich so etwas auch hinkriege. Die Latte bei dir liegt ja sehr hoch.

Viele Grüße

Michael

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Friday, December 30th 2022, 10:09am

Sehr schön gemacht deine Tanke.
Ich hab auch schon einiges an Bastelkram zusammen getragen um meine "Shell" Güterzüge inklusiv Dieselloks artgerecht einsetzen zu können.
Gruß aus Berlin

P.S. Sehr schöne Videos auch auf deinem Kanel

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