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Monday, April 8th 2024, 1:12pm

Meine drei persönlichen Highlights in Gießen 2/3

Ein Kleinod: "Impressionen aus dem herbstlichen Ruhrgebiet" von Peter Kreissl - Teil 1

Meine visuelle Reise durch den Kamerasucher geht weiter:

Es ist eine Kunst, diese stimmungsvolle Umgebung und Atmosphäre zu schaffen. Dabei setzt Peter Kreissl nicht nur farbenfrohe Akzente im herbstlichen Ruhrgebiet. Beim Anblick habe ich immer das Gefühl, als würde die Zeit für einen Moment stillstehen und die Gestalten auf geheimnisvolle Art und Weise jeden Augenblick "zum Leben erweckt" werden.

Traditionelle Weißwürstel mit einem frisch gezapften "Hellen" aus Peters Heimat Bayern, aber auch ein Pils oder Kölsch ist nicht zu verachten, wartende Reisende, Kohlen schaufelnde, schlecht bezahlte Arbeiter, Wahlplakate aus den Anfängen der 70er Jahre und noch so vieles mehr erzählen vom Leben am Ende der Dampflokära. "Mein lieber Schwan!" (Bild 27), welch unzählige Objekte geben einen Einblick in das Leben sowie die Arbeit der Menschen im Ruhrgebiet in einem zeithistorischen Kontext. Hier erwacht Stück für Stück die kleine Welt von Peter Kreissl zum Leben.

Noch heute sieht man dem Ruhrgebiet seine Vergangenheit an:

Es ist geprägt von verlassenen Zechen, Eisenhütten und Halden. Als Fotograf schlüpfe ich selbst in den Pott*, entdecke die verrücktesten Details und mache spannende Begegnungen mit einigen der Figuren.

Das ist der blanke Wahnsinn! Ich bin begeistert von dem, was ich sehe. Meine visuelle Abenteuerreise erwacht Stück für Stück zum Leben auf einer mit viel leidenschaftlicher Handwerkskunst gestalteten Anlage. Diese bereichert die Messe und ist ein Blickfang!

Der überaus kreative Peter Kreissl hat eine "neue" Anlage mit hohem Wiedererkennungswert mitgebracht. Kompromisslos beherrscht er die Szenerie. Und der Wind begreift sich als Kulissenschieber und es scheint, als hat er die passende Dekoration aus Wolken parat.

Manch einer von Euch hat das Diorama erstmals in Mainz 2023 gesehen. Hier in Gießen wird es nun zum zweiten Mal ausgestellt. Auch für diejenigen, die es kennen, bleibt die Anlage sehenswert. Denn viele Geschichten wollen stets neu erzählt werden. So manches Geheimnis wartet immer noch und will entdeckt werden.

Das Diorama zeigt einzelne Geschichten und stellt kleinste Details in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dabei werden klassische Alltagssituationen nachgestellt.

Am heutigen Tage betrachtet, ist es ein bunter "Frühlingsmix" aus Peters Erinnerungen, siehe dazu mein Interview mit ihm im Beitrag 122:

Die unverwechselbare Szenerie zieht viele Besucher in ihren Bann.

Ich konnte mich durch den Sucher meiner Kamera, aber auch mit bloßen Augen gar nicht "satt" sehen, was man an meinem Bauchumfang auf Bild 53 gut erkennen mag... 8)

Ein magisch anmutender Ort, der nicht nur den Wunsch seines Schöpfers wahr werden ließ, sondern auch alle, die ihn besuchen und zum Schwelgen einlädt.

Das Fenster in die Vergangenheit strahlt eine deutlich intensive Sogkraft aus.

Jetzt die kritische Frage, mit einem Augenzwinkern: Kann das Diorama meine Wahrnehmung, meine Sinne überfrachten? :S

Nein, ich sehe die ganzen Details als klare Zugabe, die zumeist dezent ausgelegt sind und auch sensible Gemüter nicht "über"-anstrengt ?(

*Der Begriff "Pott" ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für Töpfe, und da die Gegend früher für ihre industrielle Tätigkeit bekannt war, wurde sie scherzhaft als "der Pott" bezeichnet. Im Laufe der Zeit hat sich der Name "Ruhrpott" eingebürgert und wird heute oft verwendet, um die Region zu beschreiben.
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122

Tuesday, April 9th 2024, 11:22am

Meine drei persönlichen Highlights in Gießen 2/3

Ein Kleinod: "Impressionen aus dem herbstlichen Ruhrgebiet" von Peter Kreissl - Teil 2


Ich hatte die Gelegenheit mit Peter Kreissl ein kleines Interview zu führen:

Servus Peter, was war die Inspiration zu Deinem Diorama? Was wolltest Du darstellen?

Peter: Übertrieben gesagt, ich wollte mal was anderes bauen als nur "die kreisenden T3 um den bayerischen Kirchturm". Der wahre eigentliche Grund: ich war direkt nach Abschluss meines Studiums des Öfteren auf Dienstreisen im Ruhrgebiet. Dort haben mich das dort vorherrschende "Gleiswirrwarr" und die ganzen Industriebetriebe mit ihren zahlreichen Gleisanschlüssen fasziniert. Wohin man auch blickte, jede Menge Rangierabteilungen, vorbeifahrende schwere, schmutzige Güterzüge. Dies hat mich bis heute nicht losgelassen. (Anmerkung von mir: Ich kann dabei seine Begeisterung förmlich spüren).

Dein gezeigter Industriebetrieb mit Gleisanschluss aus dem Ruhrpott hat aber kein real existierendes Vorbild?

Peter: Diese Pleier Maschinenbau GmbH gab es in den 1970er Jahren dort tatsächlich. Ob sie jetzt noch existiert, weiß ich nicht.

Sind die Figuren von Manfred Kohnz bemalt worden?

Peter: Es sind größtenteils Figuren von MaKo Modellbau. Einige wenige aber auch von Figurendesign Volker Bauer, Wema-Figurenmanufaktur und Kleinkunst-Werkstätten Paul M. Preiser.

Wurden die Häuser und Bahnhöfe von dir gebaut oder von wem sind sie?

Peter: Der Bahnhof ist ein Fertigmodell von Stangel Modellbahnbau, das Haus mit der "Trinkhalle" rechts vom Bahnhof wurde speziell nach meinen Wünschen von Bünnig Modellbau für mich gelasert. Alle anderen Gebäude, auch die Straßenbrücke sind Selbstbauten von mir.

Wie viele Arbeitsstunden stecken wohl in der Anlage?

Peter: Die Stunden sind sehr schwer abzuschätzen. Ich habe ca. 1,5 Jahre mit kurzen Unterbrechungen ziemlich intensiv daran gebaut. Ich würde mal über 1.000 Stunden schätzen.

Wie groß ist der sichtbare Bereich und "die Welt außerhalb"?

Peter: Der sichtbare Bereich beträgt 3,60 Meter (3 Segmente zu je 1,20 Meter). Die Breite beträgt 0,76 Meter. Der unsichtbare Bereich, also der "Schattenbahnhof", ist 2,40 Meter lang (2 Segmente zu je 1,20 Meter).

Welche Kompromisse musstest Du bei der Umsetzung eingehen?

Peter: Geplant war eigentlich, zum sichtbaren Bereich nochmals 3 Segmente hinzuzubauen, die sichtbare Fläche also zu verdoppeln. Das werde ich aber zugunsten meiner noch zu bauenden Kelleranlage nun nicht mehr machen und die Ausstellungsanlage bleibt nun so wie sie ist und wird nicht mehr erweitert. Die Lebenszeit ist halt endlich...

Darf ich fragen, wie hoch ist der materielle Wert der Anlage?

Peter: Die reinen Materialkosten der Ausstellungsanlage ohne die ausgestellten Fahrzeuge betragen trotz der relativ geringen Größe 8.000 €, auch wenn man das nicht glauben mag. Aber vor allem all die Kleinigkeiten darauf gehen ganz schön ins Geld.

Was sind die nächsten Ausstellungen, wo werden wir Dich dieses Jahr noch sehen?

Peter: Dortmund im April, Ampflwang/Österreich im Juni, Oberdolling/Bayern im Oktober. Dann eventuell noch Luxemburg und Speyer im November.

Vielen Dank für das nette und informative Gespräch. Wir sehen uns dann anlässlich "50 Jahre ÖGEG" in Oberösterreich wieder. Ich freue mich, Dich dort wieder zu sehen!

Bis demnächst

Andreas
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